Amnesty International Gruppe Lübeck (1589)

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Gruppe Lübeck (1589)

StartseiteGottesdienst mit der Gemeinde der Auferstehungskirche 2014

Auch in diesem Jahr feierten wir einen Gottesdienst mit der Auferstehungsgemeinde.
Am 16.11.2014 informierten wir in der Auferstehungskirche über die Arbeit von Amnesty International und berichteten über aktuelle Folterfälle aus Mexiko und Nigeria. Außerdem wurde eine Petition zur Unterschrift ausgelegt.











Das Thema dieser Veranstaltung war "Stop Folter!" (Link)
Im Folgenden sind Ablauf und Texte des Gottesdienstes dargestellt:


Begrüßung (Pfarrer)


Begrüßung (Amnesty)


Sprecher 1: Auch ich darf sie herzlich im Namen der Lübecker Amnesty - Gruppe 1589 zu diesem Gottesdienst begrüßen. Unsere Gruppe gibt es seit Ende der 70er Jahre.
Das Ziel von Amnesty International ist eine Welt, in der allen Menschen die Rechte garantiert werden, die in der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“ von den Vereinten Nationen 1948 niedergeschrieben wurden.
Amnesty International setzt folgende Schwerpunkte:


Sprecher 2: Wir arbeiten für die Freilassung von gewaltlosen politischen Gefangenen.
Sprecher 3: Wir setzen uns für faire und zügige Gerichtsverfahren ein.
Sprecher 4: Wir wenden uns in jedem Falle gegen Folter und Todesstrafe.
Sprecher 5: Wir wenden uns dagegen, dass manche Regierungen Menschen verschwinden lassen und heimlich ermorden.
Sprecher 6: Wir versuchen die Abschiebung von Menschen zu verhindern, wenn ihnen die Rückführung in ein Land mit politischer Verfolgung, Folter oder Todesstrafe droht.


Für ihre Arbeit erhielt die Organisation 1977 den Friedensnobelpreis und kann heute auf weltweit über eine Million Mitglieder zählen.

Lied: 419, 1-5 Hilf, Herr meines Lebens

Schuldbekenntnis / Gebet

Sprecher 7: HERR, unser Gott, wir hören von Menschen, die jahrelang unschuldig inhaftiert sind. Wir sind tief betroffen und fest entschlossen, in Gebeten und mit Taten für sie einzutreten. Aber unsere Gebete werden matt, HERR, und wir verlieren an Energie und Ausdauer. Wir bitten Dich, HERR, vergib uns

Gemeinde: HERR, vergib uns.

Sprecher 8: HERR, unser Gott, wir fragen uns, sind nicht auch wir Gefangene, gefangen durch äußere Lebensumstände, gefangen durch unsere Ängste und Sorgen. Doch sehen wir nicht, dass trotz all unserer Bedrängnis unsere Möglichkeiten zu handeln so viel größer sind als die der Menschen, die jahrelang unschuldig hinter Gittern leben müssen. Trotzdem sehen wir nicht, dass Du, HERR, uns durch Jesus Christus frei gemacht hast zum Handeln für andere, die im Elend sind. Wir bitten Dich, HERR, erbarme Dich!

Gemeinde: HERR, erbarme Dich

Sprecher 5: HERR, unser Gott, wenn wir mutlos sind und resignieren, wenn wir zu viel an uns und zu wenig an Dich denken und auch nicht an die Menschen, die viel mehr leiden als wir, dann HERR, bitten wir Dich, erbarme Dich!

Gemeinde: HERR, erbarme Dich.

Gebet:
Sprecher 6: HERR, unser Gott, höre uns.
Wir beten heute für Hunderttausende von Menschen, die ihr Leben in Gefängnissen, in Arbeitslagern oder an Orten, wo sie vor dem Recht versteckt werden, zubringen müssen. Sie werden wegen ihrer politischen Überzeugungen, wegen ihres Glaubens oder ihrer Rasse festgehalten und oft grausam gefoltert. HERR, unser Gott, wir bitten Dich, diesen Gefangenen in ihrer Not beizustehen. Hilf uns Menschen, dass wir lernen, geschwisterlich miteinander umzugehen und auch im Andersdenkenden einen liebenswerten Mitmenschen zu sehen. Hilf, dass noch mehr Menschen die Initiative zur Hilfe ergreifen und dass die von fast allen Nationen befürwortete Allgemeine Erklärung der Menschenrechte überall in der Welt eingehalten wird. Amen.

Evangelium: Markus 15, 1-37

Glaubensbekenntnis:

Ich glaube an Gott, obwohl die Welt so ist, wie sie ist, - obwohl die Kirche so wirkt, wie sie wirkt.

Ich glaube an Gott, weil ich leide an dem, was wir Menschen uns gegenseitig antun, weil ich erfahre, dass wir auf dieser Erde den Tod verbreiten.

Ich glaube an Gott, damit ich erschüttert werde in meinem geordneten Alltag, damit wir gemeinsam die Kraft finden zum Aufstehen.

Ich glaube an Gott, auch wenn ich Gott nicht ganz erkennen kann. Denn Jesu Leben zeigt mir die Richtung. Unterwegs hoffe ich darauf, dass Gottes Geist mir immer wieder aufhilft und mich festhält in der Gemeinschaft der Schwestern und Brüder.

Ja; ich glaube an Gott. Ich glaube, hilf meinem Unglauben. Amen.

Gottesdienst (Hauptteil)

Lied: 420, 1-5 Brich mit den Hungrigen dein Brot

Anstelle einer Predigt (Dialog mit mehreren Sprechern)

Sprecher A: Folter

Sprecher B: Folter ist ein Wort aus dem finsteren Mittelalter. Folterinstrumente sind allenfalls in alten Burgen und Museen zu besichtigen.

Sprecher C: Aber das ist doch alles Vergangenheit.

Sprecher D: Nein! Folter ist auch Gegenwart! In über 150 Ländern werden Gefangene gefoltert und misshandelt. In 70 Ländern werden Bürger sogar im Auftrag des Staates regelmäßig gefoltert. Immer häufiger werden sogar Frauen und Kinder die Opfer von Folter.

Sprecher E: Während wir hier stehen, werden Menschen gefoltert, während wir mit unserer täglichen Arbeit beschäftigt sind, werden Menschen gefoltert, während wir in der Zeitung Berichte über Folterungen lesen, werden Menschen gefoltert.

Sprecher F: Über 120 Staaten der Erde haben sich 1984 verpflichtet, gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Strafen vorzugehen. Durch Folter erleiden Menschen vorsätzlich schwere körperliche oder geistig-seelische Schmerzen: man zwingt sie mit Folter zu falschen Geständnissen, man schüchtert sie mit Folter ein.

Sprecher G: Diese Worte erfassen alles, was Menschen anderen Menschen an Schmerzen, Qualen und Erniedrigungen zufügen.

Sprecher A: Ich kann nicht verstehen, wie Menschen, die Gottes Ebenbild sein sollen, andere Menschen, die auch Gottes Ebenbild sind, schänden oder gar zerstören.

Sprecher C: Sie tun es. Wo immer Regierungen sich auf Macht stützen müssen statt auf Zustimmung, da droht den Menschen nicht nur Freiheitsentzug, ihnen droht Folter und Tod.

Sprecher E: Ein Beispiel aus Marokko: 2006 ermittelten spanische Behörden gegen den in Belgien lebenden Ali Aarrass wegen Terrorismusverdachts, fanden allerdings weder Hinweise noch Belege. Im Dezember 2010 wurde er schließlich nach Marokko ausgeliefert, obwohl der UN-Menschenrechtsausschuss und Amnesty International davor gewarnt hatten, dass Ali Aarrass dort Folter drohen könnte. Hier wurde er, wie der UN-Menschenrechtsausschuss schon vorher befürchtet hatte, gefoltert und 2011 aufgrund von Geständnissen, die er unter Folter unterzeichnet hatte, zu 15 Jahren Haft verurteilt.

Sprecher H: Moses Akatugba wurde als gerade einmal 16-Jähriger von der nigerianischen Armee wegen Diebstahls festgenommen. Im Gefängnis zwangen ihn Soldaten unter massiver Folter dazu, falsche Geständnisse zu unterschreiben Im November 2013 wurde Moses dann zum Tode verurteilt. Als Beweise galten die Aussage des Opfers und Moses‘ unter Folter erpresstes Geständnis. Bei Moses‘ Prozess sollte es nach dem Willen seines Anwalts nicht nur um die Vorwürfe gegen ihn gehen, sondern vor allem auch um die Foltervorwürfe gegen Soldaten und Polizisten. Doch kein Polizeibeamter ist jemals zum Prozess erschienen. Die schwerwiegenden Foltervorwürfe sind bis heute nicht Gegenstand einer Untersuchung geworden. Moses Akatugba hatte niemals eine Chance, seine Sicht der Dinge darzulegen oder sein Alibi vorzubringen. Die Beamten, die ihn misshandelt und gefoltert haben, mussten und müssen keine Strafverfolgung befürchten.

Sprecher B: In Nigeria werden seit Jahren grundlegende Menschenrechte verletzt. Die freie Meinungsäußerung ist verboten. Oppositionelle werden verfolgt, in Haft genommen und oft gefoltert.

Sprecher D: Dürfen wir so etwas dulden? Dürfen wir darüber schweigen? Dürfen wir so tun, als ginge uns das gar nichts an? Dürfen wir uns, die wir nicht bedroht sind, damit herausreden, wir könnten ja doch nichts bewirken?

Sprecher G: Der folgende Fall basiert auf der unter Eid geleisteten Zeugenaussage der Philippinin Alfreda Disbarro. die im Oktober 2013 wegen des Verdachts auf Drogenhandel festgenommen wurde. In Haft musste sie schwere Folter über sich ergehen lassen. Der Staatsanwalt hat gegen Alfreda Anklage wegen Drogenhandels erhoben. Zwei Polizeibeamte und ein inoffizieller Hilfspolizist näherten sich ihr und warfen ihr vor, eine Drogendealerin zu sein. Alfreda wehrte sich vehement gegen die Anschuldigungen und öffnete freiwillig ihre Taschen, um jeglichen Verdacht aus der Welt zu schaffen. Sie wurde in Handschellen abgeführt und zum Drogendezernat der Polizei von Parañaque gebracht. Auf dem Polizeirevier angekommen, wurde Alfreda von einem männlichen Hilfspolizisten abgetastet. Ein führender Polizeibeamter begann, sie mehrfach in den Bauch und ins Gesicht zu schlagen. Dann schlug er sie mit einem Knüppel, stach mit seinen Fingern in Alfredas Augen und zwang ihr einen Wischmop in den Mund. Alfreda Disbarro beharrte auf ihrer Unschuld. Am nächsten Morgen forderte man Alfreda Disbarro auf, ein weißes Blatt Papier zu unterschreiben.

Sprecher C: Am 13. Mai 2005 nahm Dilorom Abdukadirova zusammen mit zehntausenden Menschen an einer Demonstration in Andischan in Usbekistan teil. Die Proteste richteten sich gegen die verheerende wirtschaftliche Lage in Usbekistan. Plötzlich eröffneten Sicherheitskräfte das Feuer auf die meist friedlich Demonstrierenden und töteten Hunderte von ihnen. Dilorom Abdukadirova konnte den Schüssen entgehen und über Kirgisistan nach Australien fliehen. Sie kehrte im Januar 2010 nach Usbekistan zurück weil die Behörden ihr zuvor wiederholt zugesichert hatten, dass ihr bei der Einreise nach Usbekistan keine Gefahr drohe. Doch bei der Ankunft am Flughafen von Taschkent wurde sie umgehend festgenommen und vier Tage lang festgehalten, bevor sie ihren Mann und die vier Söhne in Andischan besuchen konnte. Nachdem Dilorom Abdukadirova zwei Wochen in einer Zelle in der Polizeistation von Andischan saß, ohne dass ein Anwalt sie besuchen konnte, fand im April 2010 ihr Prozess statt. Ihre Familie war schockiert. Dilorom Abdukadirova war deutlich abgemagert und hatte das Gesicht voller Prellungen und Blutergüssen. Außerdem wunderten die Kinder und Diloroms Mann sich darüber, dass sie vor Gericht kein Kopftuch trug. Sie konnten sich nicht vorstellen, dass die gläubige Muslimin freiwillig darauf verzichten würde.

Sprecher E: Die Menschenwürde ist eine Gabe Gottes. Sie ist für Christen mit der biblischen Einsicht von der Gottesebenbildlichkeit des Menschen verknüpft. Gott selbst erleidet in seinem Sohn Jesus Folter und gewaltsamen Tod. Dennoch hält er durch die Auferweckung seines Sohnes an seiner Liebe zu den Menschen fest.

Sprecher B: Darum ist die von Gott zugeeignete Menschenwürde sehr wohl verletzlich, aber doch unzerstörbar. Wenn die Kirche gegen die Verletzung der Menschenwürde aufsteht und für die Wahrung der in ihr verankerten Rechte eintritt, so folgt sie darin jenem Weg, den ihr Jesus Christus selbst vorgegeben hat.

Sprecher H: Darum ist es unverzichtbarer Auftrag von uns Christen, immer wieder laut und vernehmlich ihre Stimme zu erheben und konkret zu handeln, wo einzelne oder Gruppen von Menschen aus welchen Gründen auch immer entrechtet, verfolgt und verletzt werden.

Sprecher A: Wenn wir davon hören, schrecken wir zurück, weil wir nicht glauben können, dass Menschen dies mit Menschen tun können.

Sprecher G: Aber wir können es nicht hinnehmen, denn es betrifft uns. Alles, was man Menschen antut, betrifft uns!

Sprecher E: Was können wir dagegen tun?

Sprecher I: Der Folterer, der Henker, der Scherge, der Menschen verschwinden lässt, alle handeln auf Dienstbefehl.

Sprecher A: Diejenigen, die diese Taten anordnen, machen sich die Hände nicht schmutzig. Ihr Wort allein schafft Blut und Qual

Sprecher G: Aber Worte können auch einem anderen Willen Ausdruck verleihen, nämlich unserem Willen, etwas gegen Folter zu tun. Unsere Worte können die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit erregen und auf die Menschenrechtsverletzungen hinweisen. Wir können die Stimme erheben gegen die Machthaber der Staaten, die Menschen an Länder wie Marokko ausliefern, von denen bekannt ist, dass dort gefoltert wird. So können die Verantwortlichen bestraft werden, und den Unschuldigen kann geholfen werden.

Sprecher H: Jeder kann mit seinem Wort gegen folternde, mordende Staaten vorgehen, auch gegen solche, in denen wie in Nigeria Minderjährige zum Tode verurteilt werden, nachdem sie unter Folter erzwungene Geständnisse abgelegt haben

Sprecher D: Oder gegen solche Staaten wie Usbekistan, in denen man friedliche Demonstranten durch Folter zu Geständnissen zwingt.

Am Schluss des Gottesdienstes werden auch wir die Möglichkeit haben, unsere Stimme zu erheben und einen Beitrag zum Schutz der er Menschenrechte leisten. Unsere Unterschrift auf Briefen und Petitionslisten gegen Menschenrechtsverletzungen kann helfen, diese Menschenrechtsverletzungen zu verfolgen! Unsere Stimme wirkt!

Lied: 262, 1+2, 5+6 Sonne der Gerechtigkeit

Abkündigung

Fürbittengebet nach den einzelnen Bitten: Kyrie eleison (178.12)

Sprecher I: HERR, unser Gott, du kennst die Karte Deiner Erde, die Karte der Unmenschlichkeit. Menschen werden gefangen, gefoltert, ermordet. Aber dank der Medien wissen auch wir davon. Wir bitten Dich, hilf uns, dass wir diese Informationen aufnehmen und weitergeben und damit für viele Hoffnungslose ein Zeichen der Hoffnung werden;

Gemeinde: Wir bitten Dich, erhöre uns. (Gesang: Kyrie)

Sprecher II: Lass uns laut nach Gerechtigkeit schreien, nicht nur für uns selbst, sondern auch für die, die sich nicht selbst zu Wort melden können;

Gemeinde: Wir bitten Dich, erhöre uns. (Gesang: Kyrie)

Sprecher III: Gib uns die Kraft und Ausdauer, damit wir den Mächtigen so lange in den Ohren liegen, bis sie die Gefängnistore für die unschuldig Verhafteten öffnen und Gerechtigkeit einzieht in alle Welt.

Gemeinde: Wir bitten Dich, erhöre uns. (Gesang: Kyrie)

Sprecher IV: Hilf, dass immer mehr Menschen die Initiative zur Hilfe ergreifen. Lass uns durch die Kraft Deines Geistes unerschrocken eintreten für Menschenwürde, Gerechtigkeit und Frieden. Durch Jesus, unseren Bruder, Christus, unseren Herrn. Amen.

Lied: 606 (zweimal) Freunde, dass der Mandelzweig

Schlusswort von Amnesty International

Sprecher 1: Liebe Gemeinde, Amnesty arbeitet international in verschiedenen Bereichen und setzt verschiedene Methoden und Strategien ein, die alle das gleiche Ziel haben: Sie sollen Öffentlichkeit herstellen, sie bringen die Menschenrechtsproblematik in das Bewusstsein der Menschen. Deshalb sind wir heute als Gäste hier bei Ihnen in der Gemeinde.

Eines macht Amnesty International wie vor 53 Jahren: Briefe schreiben und schreiben lassen, möglichst viele, um damit Druck auf die Machthaber auszuüben. Oft wird gefragt: „Bringt dies Erfolg?“ Die eindeutige Antwort lautet: „Ja!“ Unsere Statistiken sagen: Fast jede zweite Eilaktion, die AI weltweit startet, führt zum Erfolg. Je nachdem, was AI gefordert hat, kommt fast jeder zweite Gefangene frei, oder fast jedem zweiten, der bisher ohne Gerichtverfahren einsitzt, wird der Prozess eröffnet. Insofern lohnt sich die Anstrengung, einen Brief oder eine Petitionsliste zu unterschreiben, wenn man bedenkt, dass ein menschliches Schicksal davon abhängen kann. Wir bitten Sie: Leisten auch Sie einen Beitrag! Noch einmal vielen Dank, dass wir hier zu Gast sein durften.

Und nach dem Gottesdienst würden wir gerne in ein Gespräch mit Ihnen kommen.

Vaterunser

Segen, Orgel

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